Kooperationsvertrag JC Hennef mit GS Meiersheide und NWJV

Ein Leben zwischen Schule und Leistungssport

„Längst überfällig“ war der Kooperationsvertrag der Gesamtschule Meiersheide aus Hennef mit dem Nordrheinwestfälischen Judoverband (NWJV) am Dienstag, den 11. September 2018. Im Vorfeld sorgten Peter Freese (Präsident Deutscher Judobund), Wolfgang Pelz (Schulleiter), Erik Goertz (Jugendbildungsreferent NWJV), Gerd Richter (ehemaliger Projektleiter NRW-Leistungssportzentrum), Martin Herkt (1. Beigeordneter Stadt Hennef) und Gabi Neihs (Vorstand JC-Hennef) für das in Kraft treten der Kooperation. Endlich wird hiermit die lange und hervorragende Zusammenarbeit der Gesamtschule, des NWJV und des Hennefer Judoclubs amtlich gemacht. Schon fast seit 23 Jahren unterstützen sich diese drei Institutionen inoffiziell. Ursprünglich federführend waren damals der stellvertretende Schulleiter Jochen Herchenbach, der damalige Vereinstrainer und jetzige Bundestrainer der Frauen Claudiu Pusa, Erik Goertz und die damalige Vereinsvorsitzende Gisela Stragierowicz. Dass dieses Konzept bislang erfolgreich funktioniert hat, bezeugen die vielen Erfolge der Judoka, die die Gesamtschule besucht haben und noch besuchen:

Moritz Plafky kämpft am 20.09.2018 in Baku bei der Weltmeisterschaft der Männer und Frauen. Mittlerweile ist er Sportsoldat und im Perspektivteam für Olympia 2020. Moritz hat seinen Schulabschluss erfolgreich auf der Meiersheide absolviert und war während dieser Zeit Vize Europameister der U 17. Miriam Schneider, ebenfalls jetzt Sportsoldatin und im Perspektivteam für Olympia, besuchte die gleiche Schule. Weitere ehemalige international erfolgreiche Schüler waren Phillip Neihs, Lena und Lars Krautscheid, Maike und Till-Moritz Riehl und Sascha Herkenrath, der nun Landestrainer der U 15 ist. Aktuell befinden sich der Vize Deutsche Meister der U 21 Alexander Neihs auf dieser Schule, sowie rund 15 weibliche/männliche Judoka des JC-Hennefs. Hervorzuheben ist dieses Jahr die Mädchenschulmannschaft. Sie wird Ende September für eine Woche lang NRW beim Bundesfinale in Berlin vertreten.

Die Zusammenarbeit der Schule mit dem Judosport ist keine Selbstverständlichkeit und bedeutet sehr viel Verständnis für den enormen Zeitaufwand auf beiden Seiten. Die Gesamtschule meistert dieses unglaublich gut, wie der DJB-Präsident Peter Frese bei seiner Ansprache betont hat.

Fast monatlich befinden sich die Spitzenathleten für jeweils 1-2 Wochen auf der ganzen Welt auf Wettkämpfen und Lehrgängen. Unterrichtsinhalte, Hausaufgaben und Klassenarbeiten werden versäumt. Dies setzt eine hervorragende Zusammenarbeit der Schüler mit den jeweiligen Lehrern und auch Klassenkameraden voraus. Das gegenseitige Verständnis für den Mehraufwand bei den Lehrern und den sehr begrenzten Zeitfenstern der Athleten muss stetig sensibilisiert werden. Der Erfolgsdruck im Sport muss mit den Schulnoten Hand in Hand gehen. Dies funktioniert am besten, wenn alle Leistungssportler in einer Klasse sind. Dazu gibt es auf der Gesamtschule spezielle Sportklassen. Hier weiss dann nicht nur der Lehrer, was ihn erwartet. Es müssen z. B. eine Menge Nachschreibeklausuren erstellt werden. Der Wochenplan eines Leistungssportlers im Judo bedeutet zusammengerechnet mindestens 16 Stunden hartes Training, ca. 9 Stunden Anfahrzeit zu den einzelnen Trainingsorten (u. a. das Bundesleistungszentrum in Köln). Dies ist ein Zeitfenster von 25 Stunden wöchentlich nur für Training. Dazu kommt eine 34-36 Stundenanzahl des Stundenplans. Das bedeutet, dass der Judoka in der Woche um die 60 Stunden fest verplant hat – Hausaufgaben und Essen noch nicht mit einbezogen. Es folgen die Wettkämpfe am Wochenende, die meist im Ausland oder ganzen Bundesland verstreut sind. Das erledigt man nicht an einem Tag. So wird das ständige hin und her switchen zwischen Schule, internationalem Trainingslager/Wettkampf und dem Leben ein ständiger Balanceakt auf dem Drahtseil. Die sportlichen Niederlagen, die es immer geben wird, müssen nebenbei bewältigt werden. Wenn man aber siegt, puscht das ungemein. Das macht sich dann auch meist positiv in der Schulnote bemerkbar. Aber auch Leidenschaft und Verzicht auf Süßes, Cola, Alkohol, Chips und Co sind meist Voraussetzung vor einem Wettkampf, denn der Judoka muss sein Gewicht haben, weil er vor jedem Wettkampf gewogen wird. Das bedeutet also nicht nur im Training Disziplin. Es fließt alles in den Schulalltag eines Judo-Nachwuchsathleten mit ein.

Es bleibt das Fazit: wenn das Zusammenspiel der Schule mit den Sportschülern, dem Verein und dem Verband so gut gelebt wird wie auf der Gesamtschule der Meiersheide, können auch die Eltern gestärkt mit der Situation umgehen. Die Hilfe, die hier von allen Seiten zu einem Gelingen des Schulabschlusses und einer tollen Karriere im Judo beigesteuert wird, ist beispielhaft. Eines der  größten Verdienste an dieser Erfolgsarbeit hat jedoch in den letzten zehn Jahren der Heimtrainer Kamen Kasabov. Er leitet die Schul-AG, die Schulsportmannschaften, bietet tägliche Trainingseinheiten über den JC-Hennef, motiviert, baut auf und hat immer ein offenes Ohr für die Belange seiner Sportler und der Familien. Wer ihn kennt, weiss, dass seine Judoka behaupten, den besten Trainer der Welt zu haben.

Die Sport-Stadt Hennef hat mit dieser Kooperation einen großen Schritt in die richtige Richtung gewonnen.